floatingFloating

herausgegeben von
Jens Nagels
mit einem Beitrag von
Eva Schestag

ISBN: 978-3-86678-667-7
Format: 21,00 × 22,00 cm
Seiten: 108
Abbildungen: 945 farbige und 2 s/w Abbildungen
Cover: Hardcover, gebunden
Sprachen:
Deutsch | Englisch


Pressemiteilungen zu floating

Einleitung von Eva Schestag

Vorwort

Reisen und fotografieren. Fotografieren und reisen. Im Falle von Jens Nagels wäre es schön, wenn man beides gleichzeitig in einem Wort sagen könnte, ohne einer der beiden Tätigkeiten dabei einen Vorrang oder eine Prä­ferenz einzuräumen. Jens Nagels ist Fotograf und reist gerne, insbesondere nach Südostasien. Jens Nagels reist seit mehr als zehn Jahren immer wieder nach Südostasien und fotografiert – um auch unterwegs eine Aufgabe zu haben, sozusagen aus Langeweile. Er reist langsam, verweilt gerne an einem Ort, ehe er sich wieder aufmacht und weiter reist. Immer wieder zieht es ihn in diese fernen Länder Asiens, wo die Menschen freundlicher und froher sind, wo der Rhythmus des Lebens ein anderer ist, wo Müßiggang und Langeweile Voraussetzungen für die Erfahrung der Leere und des Nichts sind. Und gerade das interessiert ihn als Mensch und als Fotograf. Er sucht nicht das Spektakuläre, die atem­beraubenden Blicke, die Höhepunkte oder Attraktionen. Seine Langsamkeit erlaubt oder ermöglicht ihm das Kleine, das Alltägliche, Belanglose und Nebensächliche in seiner unscheinbaren und zurückhaltenden Schönheit zu sehen und in seinem klar strukturierten Rhythmus wahrzunehmen. An diesem Punkt ist der Buddhismus für ihn nicht abstrakt, sondern gelebte Philosophie.

Jens Nagels reist nur mit einer kleinen, unauffälligen Kamera. Er fotografiert aus der Hand, nebenbei und will weder sich noch die Dinge oder Menschen oder Tiere, die er ablichtet, in Szene setzen. Die Sprachen der Länder, die er in Südostasien bereist, spricht er nicht. Er hört zu und horcht auf ihren Klang und ihre Melodie und genießt es, nicht verstehen zu müssen und in kein Gespräch gezwungen zu werden. Er ist ein frei schwebender Beobachter, der nichts sagen muss und schweigen darf. Das gibt ihm die Freiheit zu schauen und auf Details zu achten, die außerhalb des großen Ganzen, außerhalb des kommunikativen und sozialen Zusammenhangs stehen.

Es war in Vietnam, wo ein Regenwasserbehälter in ein ganz besonderes Licht getaucht vor einem Haus stand. Ein Moment, den der Fotograf festhalten wollte. Da kam ein Mann aus dem Haus und fragte auf Englisch: "Warum fotografierst Du das?" "Es ist schön", antwortete der Fotograf. Da sagte der alte Mann mit Bestimmtheit "Das ist nicht schön" und betonte dabei jedes einzelne Wort.

Die Menschen auf den Fotografien sind oft Teil von Szenen oder Situation, die Jens Nagels beobachtet oder Teil der Geometrie einer Landschaft. Unmerklich gehen sie in der Komposition des Bildes auf. Anders in den Portraits. Hier begegnet uns jeder einzelne Mensch mit einem erstaunlich offenen und unverstellten Blick. Man würde dem fremden Fotografen gegenüber eher Skepsis, Kühle oder Distanz erwarten als das  Vertrauen, das man ihm in diesen ernsthaften, versunkenen, neugierigen, stolzen, schelmischen, verlegenen, sinnlichen und unglaublich aufrichtigen Blicken wie ein Geschenk entgegen bringt.

Die Begegnung mit der Fremde erweitert und vertieft unsere Weltsicht nicht nur, sie vermag diese gewaltig zu bewegen oder zu erschüttern, wenn wir bereit sind loszulassen und nicht festzuhalten an dem, was uns das eigene und das andere ist.

ZEIT online
Die Garküchen auf den Straßen in Asien sind gut besucht – auch nachts. Manche Köche haben ihre Gemüse in Vitrinen und kochen auf offenem Feuer, andere nutzen nur einen Tisch, eine Gaskartusche und drei Töpfe. Der Kasseler Fotograf Jens Nagels reist seit vielen Jahren in Asien. In seinem Buch Floating (Kerber Verlag) zeigt er Serien aus dem Alltag der Menschen: Detailaufnahmen von Teekannen, Telefonzellen oder Rikschas, Porträts von in der Öffentlichkeit Schlafenden und von Touristen beim Fotografieren. Und natürlich das Essen: Wir zeigen Snacks at night.
FAZ, Frankfurler Allgemelne Zeitung, 21.02.2O13

Loslassen und Atemholen

Jens Nagels führt in seinem buddhistischangehauchten Fotobrevier den Betrachterdurch
die „Bilder der fließenden Welt“ Südostasiens. Sie erzählen noch im kapitalistischen Wertewandel der Moderne vom Loslassen und Atemholen. Die Fotoreportagen der Entschleunigung zwischen Selbstfindung und Fremderfahrung feiern das Leben im Schneidersitz, den Rhythmus der Rikschas, die Geometrie der Asymmetrie. die Patina prosaischer Objekte wie altersmüder Elektro-Fächer oder bauchiger Teekessel.

Die Milieustudien und meditativen Sinnbilder tauchen ein in den Charme eines „chaotischen Asiens“, berichten vom richtungslosen Verkehr vom Treiben der Märkte, Mekong-Boote und Menschen, die nichtigen Verrichtungen frönen wie dem Dösen
und Zeitunglesen, Almosensammeln und Brettspiel. Das „gleichzeitige Nebeneinander“ des Alltags ohne offene Allegorien und die verborgene Vollkommenheit des Fragments machen laut Eva Schestags einfühlsam-aphoristischen Begleittexten
die Fotokunst von Jens Nagels aus.

Jede Doppelseite ist einem mal weltlichen, mal geistlichen Thema und knappen
Schlagwort verpflichtet wie „snack at night“, „tuk-tuks“ oder "buddha faces“: ln Sequenzen von sechzehn Miniaturfotos entfalten sich Momentaufnahmen nationaler Psychen aus verschiedenen Ländern Asiens wie traditionelle Bildrollen. Abgehalfterte Fahrräder, Essensreste oder verlassene Plastikstühle entwickeln gerade in der Beiläufigkeit des Arrangements ihre Poesie und Assoziationen des Ephemeren.
Im Universum des Fotografen finden dabei immer wieder Perspektiven- und Paradigmenwechsel statt: So vereinen sich auch im geistigen Auge des Betrachters die Dämpfe und Gerüche der Räucherstäbchen und Garküchen oder die Bilder der gewitzten Serie friedlich koexistierender „monks and dogs“ von Myanmar zu einem Fest der Sinne —  und zum buddhistisch anmutenden Gefühl der Verbundenheit aller Lebewesen und Kulturkreise. sg

abenteuer-ruhrpott

Jens Nagels gehört zu den Reisenden, die niemals ohne eine Kamera aus der Unterkunft gehen würden. Reisen und Fotografieren gehört bei ihm zusammen. Ansonsten würde ihn unterwegs die Langeweile überfallen. Dabei benutzt er lediglich eine kleine, unauffällige Kamera. Seit mehr als zehn Jahren reist er so durch Südostasien. Er lässt sich treiben und niemals hetzen. So hat er oft Zeit für den entscheiden Moment und das besondere Motiv. Seine fotografischen Ergebnisse sind nun zusammengefasst in dem schönen Buch "Floating", erschienen im Kerber Verlag.

Während er mit seiner Kamera langsam unterwegs ist, begegnen ihm oft recht belanglose Situationen, die aber genau den Ort ausmachen, wo er sich gerade aufhält. Für die Bewohner meistens nicht nachvollziehbar, dokumentiert er oft Nebensächlichkeiten von zurückhaltender Schönheit. Wie ein Beobachter, der die Landessprache nicht spricht lichtet er das gesehene am Rande ab, viele kleine Details inklusive. Menschen werden dabei nicht inszeniert. Eine gewisse Distanz ist ihm wichtig. Leute und Tiere sind einfach ein Teil von sehenswerten Motiven, sozusagen wie im wahren Leben fotografiert.

Zu sehen sind Stillleben aller Art, das vielfältige Alltagsleben und das buddhistische Leben in zahlreichen Fotos. Zu jedem Unterthema findet man jeweils 20 kleine Fotos als Mosaik und ein großes Motiv. Ob Mönche in ihren buddhistischen Klöstern und Tempeln, Straßenküchen bei Nacht, der chaotische Verkehr, Hotelzimmer oder Tuk Tuks, dieser Teil der Erde ist für uns im Alltags- leben eine völlig fremde Welt mit zahlreichen neuen Eindrücken. Man muss Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam oder China nicht persönlich bereist haben, um die Fotos von Jans Nagel spannend zu finden. Ebenfalls sehr schön sind die begleitenden Texte von Eva Schestag.

Jens Nagel studierte Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf und visuelle
Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel wo er auch lebt und arbeitet.

HNA, Hessische Allgemeine

Alltagszauber in Asien
Fotograf Jens Nagels war mit der Kamera ganz nah im Leben der Menschen

Ei mit Blumen geschmückter Hausaltar neben einem Werbeplakat für Videokassetten. Marktfrauen vor Ingwerknollen. Männer beim Spiel mit einem aufgemalten Spielbrett auf dem Gehsteig. Nächtliches Treiben an einem Imbiss- stand. Ein Mann stapelt Dutzende Pappkartons auf ein Fahrrad. Jens Nagels findet die Schönheit im Alltäglichen.
Der 62-jährige Kasseler Fotograf, der auch in Kassel studiert hat, bereist seit zehn Jahren die südostasiatischen Länder Kambodscha, Thailand, Myanmar, Laos und Vietnam. Seine Fundstücke zeigt nun ein schöner Fotoband mit dem Titel „Floating“. Schweben, sich treiben lassen wären die Übersetzungen für dieses englische Wort - und das ist genau die Haltung, mit der Nagels durch die Welt zieht. Nagels will nur Beobachter sein, er sucht das Unspektakuläre, das er in schlichten Bildern festhält, die dennoch viel von den Menschen erzählen. Reiseführer-Sehenswürdigkeiten werden nicht abgeklappert.
HNA, Betina Fraschke

Kulturmagazin

Den Dingen ihren Lauf lassen

Seine Fotografie ist nicht nur ästhetisch, sondern inhaltlich breit gefächert. Wenn er nicht fotografiert, dann reist Jens Nagels, so könnte man vermuten. „Allerdings reise ich nicht, um zu fotografieren“, das ist ein klares Statement des Fotokünstlers. Reisen und Fotografieren gehören für Nagels zusammen. „Das Fotografieren ist mehr eine Beschäftigung auf meinen zahlreichen Exkursionen durch fremde Länder.“

Ehrlichkeit und ein wenig lronie schwingen da natürlich mit. Jens Nagels möchte sich auch bei seinen intensiven Südostasientrips von den herkömmlichen Abbildungszwängen und Konventionen befreien. Sicherlich gibt es Hunderte von Fotobänden, die Land, Leute & Kultur perfekt dokumentieren, aber Jens Nagels bevorzugt seinen eigenen Rhythmus beim Fotografieren. Er reist mit einer „kleinen, unauffälligen Kamera und fotografiert aus der Hand“, also gern verdeckt und nebenbei. Sich treiben lassen ist dabei ein Lebensmotto, das er auch beim Fotografieren praktiziert. „lch oute mich nicht gern als Fotograf; mir ist es eher peinlich Menschen so direkt abzulichten", gesteht Nagels. Seine unzähligen Reisen in Myanmar, Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam, Nepal und China inspirierten den Fotografen immer wieder, das Besondere, Augenfällige im Alltäglichen festzuhalten.
Im letzten Jahr hat Jens Nagels in seinem Fotoband „floating“ die visuellen Genüsse seines langsamen und intuitiven Reisens festgehalten.

Am Ende meiner Reise ohne Ziel will ich fallen in Ginsterblüten.” (Kawei Sora)
Ungeplant und leise spürt Jens Nagels seine Motive auf. lm wimmelnden Verkehrschaos ebenso wie in nächtlichen Wartezonen. Kostbare Artefakte werden augenfällig: berührend, andächtig und schön bleiben sie stärker im Gedächtnis als jede inszenierte Kulisse. Unaufgeregt und mit „stillem Gleichmut“ gelingt ihm eine Mixtur aus Zeit, Lebhaftigkeit und Vergänglichkeit. Menschen, Dinge, Tiere und Kultur werden von ihm in fotografischen Kokons präsentiert: erzählte Geschichten auf kleinstem Format. Ein schlafender Mann im Auto oder Mönche und Mädchen, die scheinbar aneinander vorbeischweben. Wieder das Nebensächliche —  ein Ventilator vor wehender Gardine oder eine Ansammlung von Löffeln, die unwillkürlich zum Mittelpunkt werden. Diese besondere Atmosphäre konserviert Nagels und hinterlässt eine Ahnung, was floating für ihn bedeutet. Er nennt es „Aufmerksamkeit verschenken auf die Menschen, ihre Gewohnheiten und die Lebensfreude einer Kultur.“

Angelika Froh, Kulturmagazin, Dezember 2013










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Kontakt, Adresse, Telefonnummer, eMail
und einige Links.
Verschiedene experimentell dokumentarische Kurzfilme
von unterschiedlicher Länge, 2 bis 10 Minuten.
Defokussierte (unscharfe), grossformatige Fotoarbeiten,
die meist dem Fernsehen entnommen
und in einen neuen Zusammenhang gebracht wurden.