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Floating

Das Buch hat eine Größe 21 x 21 cm mit 108 Seiten und Umschlag. Der Druck der 49 großen und der ca. 900 kleinen Abbildungen ist in Farbe.
Hardcover und Fadenbindung
Fotografen aus Thailand, Myanmar, Laos, Indien und Nepal, 2012

floating ist ein Buch über das Reisen und das Fotografieren. Über das Reisen in Südostasien und das Fotografieren von Alltäglichem. Alltägliches, Belangloses, Nebensächliches, das der Fotograf unterwegs, wo er sich vom Zufall treiben lässt, aufhebt und mitnimmt, weil es einzigartig ist. Ein Mosaik der Bilder von Jens Nagels, die auf den Seiten dieses Buches eines neben dem anderen, übereinander und untereinander an einer scheinbar endlosen Wand hängen und uns lehren, langsamer zu gehen und genauer hinzusehen.

Texte zum Buch von Eva Schestag

Einleitung

Reisen und fotografieren. Fotografieren und reisen. Im Falle von Jens Nagels wäre es schön, wenn man beides gleichzeitig in einem Wort sagen könnte, ohne einer der beiden Tätigkeiten dabei einen Vorrang oder eine Präferenz einzuräumen. Jens Nagels ist Fotograf und reist -gerne, insbesondere nach Südostasien. Jens Nagels reist seit mehr als zehn Jahren immer wieder nach Südostasien und fotografiert – um auch unterwegs eine Aufgabe zu -haben, sozusagen aus Langeweile. Er reist langsam, verweilt gerne an einem Ort, ehe er sich wieder aufmacht und weiter reist. Immer wieder zieht es ihn in diese fernen Länder Asiens, wo die Menschen freundlicher und froher sind, wo der Rhythmus des Lebens ein anderer ist, wo Müßiggang und Langeweile Voraussetzungen für die Erfahrung der Leere und des Nichts sind. Und gerade das interessiert ihn als Mensch und als Fotograf. Er sucht nicht das Spektakuläre, die atemberaubenden Blicke, die Höhepunkte oder Attraktionen. Seine Langsamkeit erlaubt oder ermöglicht ihm das Kleine, das Alltägliche, Belanglose und Nebensächliche in seiner unscheinbaren und zurückhaltenden Schönheit zu sehen und in seinem klar strukturierten Rhythmus wahrzunehmen. An diesem Punkt ist der Buddhismus für ihn nicht abstrakt, sondern gelebte Philosophie.

Jens Nagels reist nur mit einer kleinen, unauffälligen Kamera. Er fotografiert aus der Hand, nebenbei und will weder sich noch die Dinge oder Menschen oder Tiere, die er ablichtet, in Szene setzen. Die Sprachen der Länder, die er in Südostasien bereist, spricht er nicht. Er hört zu und horcht auf ihren Klang und ihre Melodie und genießt es, nicht verstehen zu müssen und in kein Gespräch gezwungen zu werden. Er ist ein frei schwebender Beobachter, der nichts sagen muss und schweigen darf. Das gibt ihm die Freiheit zu schauen und auf Details zu achten, die außerhalb des großen Ganzen, außerhalb des kommunikativen und sozialen Zusammenhangs stehen.

Es war in Vietnam, wo ein Regenwasserbehälter in ein ganz besonderes Licht getaucht vor einem Haus stand. Ein Moment, den der Fotograf festhalten wollte. Da kam ein Mann aus dem Haus und fragte auf Englisch: „Warum fotografierst Du das?“ „Es ist schön“, antwortete der Fotograf. Da sagte der alte Mann mit Bestimmtheit „Das ist nicht schön“ und betonte dabei jedes einzelne Wort.

Die Menschen auf den Fotografien sind oft Teil von Szenen oder Situation, die Jens Nagels beobachtet oder Teil der Geometrie einer Landschaft. Unmerklich gehen sie in der Komposition des Bildes auf. Anders in den Portraits. Hier begegnet uns jeder einzelne Mensch mit einem erstaunlich offenen und unverstellten Blick. Man würde dem fremden Fotografen gegenüber eher Skepsis, Kühle oder Distanz erwarten als das Vertrauen, das man ihm in diesen ernsthaften, versunkenen, neugierigen, stolzen, schelmischen, verlegenen, sinnlichen und unglaublich aufrichtigen Blicken wie ein Geschenk entgegen bringt.

Die Begegnung mit der Fremde erweitert und vertieft unsere Weltsicht nicht nur, sie vermag diese gewaltig zu bewegen oder zu erschüttern, wenn wir bereit sind loszulassen und nicht festzuhalten an dem, was uns das eigene und das andere ist.


still life

Das Leben in den Städten und Dörfern der tropischen und subtropischen Klimazonen Südostasiens spielt sich draußen ab. Draußen. Das sind die Straßen mit den Autos, den Bussen, den Motorrädern, den vollbeladenen Karren und den farbenfrohen Tuktuks, Fahrrädern und Rikshaws. Das ist der Verkehr, der gleichzeitig in alle Richtungen zu führen und kaum nachvollziehbaren Regeln zu folgen scheint. Das sind die Gehsteige mit den Gehenden und Stehenden und Wartenden und Essenden und Bettelnden und Schauenden und Redenden.

Das sind die zu jeder Stunde offenen Läden und Geschäfte mit den farbigen Schildern und Lichtern und Reklamen. Das sind die bunten Märkte mit den zehntausend Gerüchen, Gewürzen und Gerichten. Das ist der Rauch der verbrennenden der Kerzen und Räucherstäbchen vermischt mit dem Dampf der Garküchen.

Draußen ist das Leben und der Fotograf sucht die Stille. Inmitten des Geschehens, gehört er nicht dazu. Er hat seinen eigenen Rhythmus in diesem Treiben und hält an und ein wo ihn etwas anspricht, dem er – obwohl oder weil ihm die Sprache fremd ist – aufgrund von Form und Gestalt einen ästhetischen Begriff zuordnen kann. Die knusprig gebratene Ente mit dem Korianderkraut im Fenster hängend, der Holztisch mit den niedrigen Hockern und der Blechkanne darauf, am Fuße eines Baumes die leer gegessene Suppenschale mit dem Soßenrest und den Stäbchen. Alltägliches und Nebensächliches, frei von symbolischer oder allegorischer Bedeutung, aber schlicht und schön, oft kurios und witzig und gleichzeitig so vieles mitteilend in der Zufälligkeit seines Arrangements.

daily life

Roland Barthes schreibt in seinem Buch Das Reich der Zeichen, dass die japanischen Speisen einer Mahlzeit nicht wie bei uns in einer festen Ordnung bzw. Abfolge zueinander ständen, dass sie kein Zentrum hätten, „weil die Speise auf dem Tisch oder der Platte niemals mehr als eine Ansammlung von Fragmenten darstellt, von denen keines durch eine Ordnung des Verzehrs privilegiert scheint: speisen heißt nicht ein Menü, eine Speisenfolge einhalten, sondern mit -einer leichten Berührung der Stäbchen bald hier bald dort eine Farbe aufnehmen ... “.
Das Auge des Fotografen scheint die Szenen und Eindrücke des Alltagslebens an den verschiedenen Etappen seiner Reisen durch Südostasien ebenso bruchstückhaft, ungeplant, gleichmäßig, unterschiedslos und wertfrei wahrzunehmen und einzufangen, wie der Soziologe das gleichzeitige Nebeneinander der Speisen einer japanischen Mahlzeit.

Dörfer wie Städte, Hunde wie Katzen, Tiere wie Menschen, Alte wie Junge, Lesende wie Schlafende, der Arbeitende wie der Säumende, das Treiben zu Wasser wie zu Land. Ein stiller Gleichmut trägt und prägt jedes Bild: nichts überrascht, nichts erschreckt, nichts schockiert, nichts wirkt ausgestellt oder gezeigt. Und doch lebt jeder Augenblick, ist jedes Detail präsent, bezaubert das Lächeln des Mädchens, trifft uns der klare Blick der alten Frau, empfinden wir die Ruhe des Boots auf dem Fluss, beengt uns der voll beladene Bus, freuen wir uns an der elementaren Ästhetik eines Kreises von roten Plastikstühlen, berührt uns die Einfachheit des Lebens.

Der Alltag dieser fernen Länder zieht wie auf einer chinesischen Querrolle Abschnitt für Abschnitt an uns vorbei; in dem Nebeneinander und der Gleichzeitigkeit der Fotografien verliert sich – wie in der traditionellen chinesischen Malerei – der Eindruck einer -vorgegeben Perspektive, unser Blick wandert frei.

buddhist life

Die Religion und die Philosophie des Buddhismus durchdringen den Alltag der Menschen in Südostasien. Auch in modernen, aufgeklärten Familien findet sich eine kleine Ecke im Haus, wo man dem Buddha opfert.

Zu besonderen Gelegenheiten oder bei wichtigeren Anliegen begibt man sich in den Tempel, wo Räucherstäbchen und Kerzen entzündet werden, um Buddha oder die Geister geneigt zu stimmen. Im Straßenbild der Städte und Dörfer sind die Nonnen und Mönche allgegenwärtig. Gelb, orange, rosa und rot leuchten die Stoffbahnen ihrer einfachen Gewänder. Die Safranroben. Vielleicht die Farben der Gewürze, mit denen die Stoffe traditionellerweise gefärbt wurden, oder die Farbe von welkenden Blättern, kurz bevor sie loslassen und vom Baum fallen.

Buddha verlangte nur, dass die Kleider seiner Schüler rein, wertlos und schmucklos seien. Zum streng geregelten Tagesablauf des Klosterlebens gehört auch der morgendliche prozessionsartige Almosengang. Die Menschen geben, weil viele von ihnen selbst einen Abschnitt ihres Lebens im Kloster verbrachten und weil sie hoffen, dass die gute Tat in diesem oder in einem späteren Leben eine positive Wirkung zeigt. Die Armut und Einfachheit der Menschen im Gedränge und Lärm ihres Alltagslebens scheinen in einem großen Gegensatz zu all dem Gold und dem Licht und der Weite der dem Buddha geweihten Orten zu stehen. Doch in den Gesichtszügen und der Haltung der alten und der jungen Laien, Novizen, Nonnen und Mönche lesen wir eine ähnliche Gelassenheit, innere Ruhe und Anmut wie in den Abbildern Buddhas.