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Weiblich, 1988

Vereinfachende Fotografie

Kleine Artefakte in einem Spiel über die Weiblichkeit. Ist erst einmal die Phantasie in eine Richtung in Gang gesetzt, entdeckt man diese Symbolik überall in der alltäglichen Umgebung.

Nagels, Jens: Weiblich, Vereinfachende Fotografie, 1988
64 Seiten; 30 Abb.; 24x16cm, ISBN 3-9801640-0-4


Die Texte

Einleitung

Es umschleicht mich wie ein scheues, aber aufdringliches Tier, wie ein flüsternder Dämon, weder gut noch schlecht, doch besitzergreifend und stark. Es ist die Sehnsucht nach einem Menschen, nach der anderen Sorte Mensch, dem anderen Geschlecht. Der Wunsch nach Erfüllung dieser Sehnsucht setzt in mir eine Kraft frei, die mich antreibt und in Bewegung hält, ja, die Welt sich um mich kreisen läßt. Die Welt dreht sich weiter, die Sehnsucht bleibt: Denn kann eine Frau die Sehnsucht nach der Frau je stillen? Diese Sehnsucht ist zu sehr Teil der Innen-Welt, als daß sie in der Außen-Welt zu stillen wäre. Man kann diese verschiedenen Welten nicht vereinen, wohl aber bereisen und betrachten. Und überall ist sie. Wir werden voneinander angezogen, suchen nach Gründen und finden nur Antworten, die uns täuschen sollen, weil wir uns schämen, nicht zu wissen, warum. So laufen wir umher, umkreisen, locken und verführen uns, um dem Leben das Geheimnis dieses mächtigen Dämons zu entreißen. Überall sind sie, zeigen ihre Schönheit auf sonnigen Plätzen, pressen ihre Körper gegen den dünnen Stoff der Kleidung, bewegen geschmeidig ihre Rundungen vor meinem gierigen Blick, so daß ich mit meinen Händen ihren Kurven folgen möchte, um sie nicht nur zu sehen, sondern auch zu fühlen. Unter den Blusen treiben ihre Brüste ein freches Spiel mit der Schwerkraft, wie gerne würde ich ihnen unter die Arme greifen! Lange Beine heben blondes Gift die Treppe hinauf, kurz gestrickter Rock, dicht vor meinen Augen laszives Maschenspiel. Wende ich mich ab - überall Frauen. Dort läuft eine mit schnellen Schritten der abfahrenden Straßenbahn nach und zeigt, was sie hat: Verständnis für Männer. Jener fällt etwas zu Boden, nein, nein, nur nicht den Kavalier spielen, lieber verzögere ich meine Schritte und erwarte gespannt ihr Bücken. Hol Dir nur Appetit, aber gegessen wird bei mir", sagt Magnani zu Mastroiani und Marilyn lächelt. Und dann wieder liegt sie da, die Tiefe ihrer Augen gibt dem Universum erst die sichtbare Unendlichkeit; in dem Labyrinth ihres Ohrs verirrt sich mein Blick und kreist um einen Eingang zu ihrem inneren. Und dann dieser Mund, dessen Lippen so sanft meinen Namen Murmeln können. Ich verberge mein kratziges Gesicht in ihrer symmetrischen Weichheit und hinter der Ebene, die ihren Nabel umfließt, lockt jener dunkle Busch, in dem ich wie David Livingstone nach dem Unbekannten, dem Anderen, dem Anderssein suche. Sie ist anders, gleich, aber anders. So gleich, daß wir uns verstehen, so anders, daß wir uns lieben. Alles hat viele Seiten. Jeder Kreis 0 ist ihre Rundung und jeder Strich I ihr Schlitz, und jeder Strich I ist ein Phallus, und der ist rund 0. Nichts hat nur eine Bedeutung. Alles ist überall. Oberall ist sie und in allem vermag ich sie zu sehen.

Ein Hörspiel: Teil I

ANAIS: Das Meer.

JEAN: Nun blieb keine Zeit mehr, und so küßten wir uns in diesem albernen Zimmer. Wir hatten uns zuvor schon oft geküßt, doch nicht auf diese Art. Das war der Kuß auf Leben und Tod, und man weiß erst lange Zeit danach, was das ist, der Kuß auf Leben und Tod. Die Sirene des weißen Schiffes ertönte dreimal, einmal fröhlich, einmal auffordernd, einmal zum Abschied.

ERNEST: Er blickte über das Meer und wußte wie alleine er jetzt war.

YUKIO: Liebe, für die sich zu sterben lohnt, Liebe, die lodernd den Körper verzehrt, daß ich in meinem Herzen solche Vorstellungen von der Liebe hege, und daß sie mir wichtiger erscheint als alles andere, habe ich zweifellos dem Meer zu verdanken. Für Männer wie um, die wir in einem eisernen Schiff eingeschlossen sind, gleicht die See nur allzusehr dem Weib. Ihre Windstille, ihre Stürme, ihre Launen und die Schönheit ihrer Brust im Abendsonnenschein sprechen für sich selbst. Aber mag auch das Schiff die See befahren, so wird es doch ständig von ihr abgelehnt. Obwohl Unmengen von Wasser vorhanden sind, helfen sie nicht, den quälenden Durst zu stillen. Die Natur umgibt den Seemann mit all diesen Elementen, die so sehr an das Weib erinnern, und doch wird er stets von dem wirklichen, lebenswarmen Körper des Weibes ferngehalten.

JAMES: Wie können die nur das Meer lieben? Tun sie aber.

ARNO: Wo ihr Haar aufhörte fing Strandhafer an: aber wo war das? Wo ihre Finger endeten begannen Halme: ohne Übergang.

HENRY: Sie liegt auf dem Bauch, auf die Ellenbogen gestützt, den Kopf in beide Handflächen gelegt. Sie zeigt mir das Profil ihres Gesichts, und die weiße Undurchsichtigkeit des Fleisches ist wie mit einer glatten Schicht bedeckt. Die Lippen sind wie zermalmte Geranienblätter, zwei fehlerlos in den Scharnieren spielende Blütenblätter, die sich öffnen und schließen.

PABLO: Ich empfand Zärtlichkeit für ihre nackten Füße, die weißen Blüten, die in ihren schwarzen Haaren leuchteten,

YASUNARI: Es war eine Meldung, die nicht an ihre kleinen Brüste denken ließ.

YUKIO: Ihre Schultern fielen wie Küstenlinien in weichen Bogen zu den Seiten hin ab. Hals und Arme waren leicht gebräunt, aber am Brustansatz begann eine ungefärbte Zone, deren warmes Weiß von innen heraus zu leuchten schien. Die sanften Hügel ihrer Brüste strebten vorn Körper, wenn ihre Hände sie kneteten, wandten sich die dunkelroten Warzen voneinander ab.

ROBERT: Die Spitze deiner Brust ist wie, ein Mohnblatt.

HALLDOR: Man sieht eine bestimmte Frau an einem bestimmten Ort in einem bestimmten Augenblick. Man liebt sie vor allem des Ortes und des Augenblicks wegen. Denn die Frau ist in erster Linie Ort und Augenblick.

ROBERT: Sie hatte Plötzlich wieder Tränen in den Augen.
Ganz langsam rannen sie ihr ins Gesicht, und von der in ihrem Salz gebadeten Haut stieg der unbezeichenbare Duft der Liebe auf

KENNETH: Aber es kommt von sehr weit her. Eine seltsame
Erfahrung, am Leben zu sein.

KENZABURO: Da lag er, schutzlos nackt, und um es noch schlimmer zu machen: ein anderer, ebenso nackter Mensch lag neben ihm. War es seine Frau?

ARNO: Ihr Kopf in meinem Schoß: meine Hände bewohnten, lange Käfer, ihr schwarzes Haargras. Eine glatte Kupferebene; Buntsandsteinwüste mit Rippenriffen. Ein Hügelland: Thyle 1, Thyle 2. Lange. Eine spitze Jumarra im Süden.

ROBERT: Sie liebte ihren Gatten, aber es mengte sich ein wachsendes Maß an Abscheu darein, ja eine fürchterliche Beleidigung der Seele, die man schließlich nur der Empfindung vergleichen konnte, die der in seine großen Unternehmungen vertiefte Archimedes gehabt haben würde, wenn ihn der fremde Soldat nicht erschlagen, sondern ihm ein sexuelles Ansinnen gestellt hätte.

JEAN: Eine Verrückte, die immer weiß, was gespielt wird. Aber sie spielt nie mit.

ROBERT: Dann lieber Ehebruch.

ISABEL: Ich lese es aus deinen Augen: Du hast eine Liebesnacht hinter dir!

HENRY: Du bist verrückt, ich gehe schlafen. Gute Nacht!

Teil II

JAMES: Nichtsdestoweniger blieb er fest sitzen und betrachtete das leicht angeschmutzte, an den üppigen Formen zerknitterte Photo, was diesem aber keinerlei Abbruch tat, und blickte gedankenvoll weg, in der Absicht, des anderen mögliche Verwirrung bei der Musterung der Symmetrie ihres schwellenden embonpoint nicht gar zu vergrößern. In der Tat war die leichte Verschmutzung nur ein zusätzlicher Reiz, ganz wie in dem Fall von leicht angeschmutzten Leinen so gut wie neu, ja viel besser in Wirklichkeit, wenn die Stärke heraus war. Einmal angenommen, sie war weg, wenn er ... ?

FERNANDO: Wir verstehen uns, weil wir nichts voneinander wissen. Was würde aus so vielen Ehegatten, wenn der eine in die Seele des anderen hineinschauen könnte, wenn sie sich verstehen könnten, wie die Romantiker sagen, die die Gefahr - wenngleich die nichtige Gefahr - ihrer Worte nicht ahnen. Alle Ehepaare der Welt sind schlecht verheiratet, denn jeder Partner bewahrt bei sich in den Geheimkammern, wo die Seele dem Teufel gehört, das subtile Bild des Idealmannes, der nicht mit dem vorhandenen übereinstimmt, die flüchtige Gestalt der sublimen Frau, die seine Gefährtin nicht verkörpern konnte. Die Glücklichsten unter uns ignorieren ihre zur Vergeblichkeit verurteilten Neigungen; die weniger Glücklichen kennen sie wohl, aber sie wollen sie nicht zugeben, nur der eine oder andere beiläufige Ausbruch ruft den verborgenen Dämon, die alte Eva, den edlen Ritter oder die Sylphide herauf.

PABLO: Sie war es, weiß gekleidet, ihr einheimisches, langes, geschliffenes Messer schwenkend. Sie war es, die volle Stunden mein Bett umschlich, ohne sich zu meiner Ermordung zu entschließen. Wenn du stirbst, ist meine Angst zu Ende, sagte sie.

ARNO: Ich liebe dich. Sprich: liebst du mich?

ROBERT: Die wahre Wahrheit zwischen zwei Menschen kann nicht ausgesprochen werden; jede Anstrengung wird ihr zum Hindernis!

GABRIEL: Manchmal blieben sie bis zum Einbruch der Nacht so sitzen, einer dem anderen gegenüber, sich in die Augen blickend, sich in der Stille mit ebensoviel Liebe liebend, wie sie sich vorher in Aufruhr geliebt hatten. Die Unsicherheit der Zukunft ließ ihre Herzen in die Vergangenheit blicken.

YASUSHI: Kurz nachdem wir uns diese verwegene, irre Liebe, gelobt hatten, wußten wir nicht, was wir einander noch sagen sollten. Ich lag auf dem Rücken auf dem gestärkten Bettlaken und sah schweigend zur Dunkelheit auf Es gab in meinem ganzen Leben keine Stunde mehr, die so seltsam eindrucksvoll gewesen wäre. Ich kann freilich nicht mehr sagen, ob es nur fünf, sechs Minuten waren oder ob wir eine halbe oder ganze Stunde schwiegen.

HENRY: Wir waren wieder in dem zeitlosen Blau, einer von dem anderen entfernt, aber nicht mehr getrennt.

ROBERT: Lassen sie uns schweigen! Das Wort vermag Großes, aber es gibt Größeres! Die wahre Wahrheit zwischen zwei Menschen kann nicht ausgesprochen werden. Sobald sie sprechen, schließen sich die Türen; das Wort dient mehr den unwirklichen Mitteilungen, man spricht in den Stunden, wo man nicht lebt ...

FERNANDO: Nie hat mm o sehr gelebt, wie wenn man viel gedacht hat. Wer am Rand des Saals steht, tanzt mit allen Tanzenden. Er sieht alles und, weil er alles sieht, erlebt er alles. Da alles, wenn man das Fazit zieht, unsere Empfindung ist, ist die Berührung mit einem Körper ebensoviel wert, wie sein Anblick oder sogar die schlichte Erinnerung an ihn. Ich tanze mithin, wenn ich tanzen sehe. Ich sage wie der englische Dichter, als er erzählte, er betrachte, der Länge nach ins Gras gestreckt, drei Schnitter: Ein vierter mäht, und das bin ich.

PAUL: Und wenn das Konzert erst zu Ende ist, und auf der Tanzfläche drei oder vier Frauen um das Orchester herum den Cahut zu tanzen beginnen! Was für erlesene Augenblicke habe ich hier verbracht, ohne es mir anmerken zu lassen. Die Ellbogen auf der Balustrade und das Kinn in den Händen, sah ich den Frauen zu, die unnachahmlich sicher ihre Hüften schweben, mit Bewegungen, die schnell und ebenmäßig sind, und deren Vollzug die Präzision von Linien hat.

YASUNARI: Die Jido Maske dagegen hatte etwas geschlechtsloses, mit weitem Abstand zwischen Augen und Brauen und den weichen mondsichelförmigen Brauen selbst, näherte sie sich eher dem Mädchenhaften. Als Shingo nun sein genau darüber befindliches Gesicht immer tiefer auf die Maske herabsenkte, begann sich die mädchenhaft glatte Haut, wohl auch durch Shingos Alterssichtigkeit, die alles noch undeutlicher und weicher machte, mit der Wärme menschlicher Haut zu füllen, und die Maske lächelte wie lebendig. Bis auf etwa zehn Zentimeter näherte er sein Gesicht der Maske, und da war es eine lebendige Frau, die im entgegenlächelte. Ein schönes klares Lächeln.
Wirklich lebten Augen und Mund. Schwarze Pupillen waren in ihre Augen getreten. Die krapproten Lippen schienen auf liebliche Art befeuchtet. Mit angehaltenem Atem beugte er sich herab, bis er beinahe die Nase berührte: in diesem Augenblick schwebten ihm von unten die Pupillen aus fast völlig schwarzen Augenballen entgegen, und blühte das Fleisch der Unterlippe auf Shingo war nahe daran, sie zu küssen. Tief atmete er aus und nahm sein Gesicht zurück. Als er sich davon losmachte, war es wie ein Betrug. Eine Weile atmete er heftig.

PABLO: Die Vernunft verbot es mir, aber mein Herz hat seither eine Narbe, die nie verschwunden ist.

JEAN: I´ve got you under my skin.

Teil III

JAMES: Zuerst war alles streng platonisch gewesen, bis die Natur dazwischenkam und ein Verhältnis sich zwischen ihnen entspann, bis dann die Sache immer mehr auf die Spitze trieb und zum Stadtgespräch wurde ...
GABRIEL: ... sie entdeckten, daß die Langeweile der Liebe unerforschte Möglichkeiten barg, die reicher waren, als die des Begehrens, ergaben sie sich der Vergötterung ihrer Körper.

WALTER: Jetzt gehörst du mir. Mir allein. Und ich gehöre dir. Dir ganz allein. Oh, das haben wir fein gemacht! Und wir werden alles machen. Alles. Ich habe dich genau verstanden. Wir werden uns nichts vortrillern. Wir werden sap bleiben. Wir werden uns nichts vormachen. Wir werden alles machen. Hart und klar machen, ja machen, machen ... machen, macheln, maffeln, maffeln, maffeln, maffeln ...

GIACCOMO: Selige Augenblicke, die ich nicht mehr erhoffen darf, deren treue Erinnerung mir aber nur der Tod
allein rauben kann!

JEAN: Auf einige ihrer Vorschläge konnte ich nicht eingehen, ich fror zu sehr, doch ich kam allmählich dahinter, daß es um so besser war, je spärlicher meine Unterwäsche ausfiel.

WALTER: Ihre Zehen bogen sich wollüstig.

GABRIEL: Sie ließ ihn keinen Schritt weitergehen, bevor sie ihm nicht die Kleider ausgezogen hatte, weil sie seit jeher der Meinung gewesen war, daß es Unglück bringt einen angekleideten Mann im Hause zu haben.

JAMES: Wenn er gelächelt hätte, warum hätte er gelächelt? Bei dem Gedanken, daß jeder, der hereinkommt, sich einbildet, er sei der erste, der hereinkommt, während er doch immer der letzte einer vorangegangenen Reihe ist, selbst wenn er der erste einer nachfolgenden ist, insofern als sich jeder einbildet, der erste, letzte, einzige und alleinige zu sein, während er doch weder der erste noch der letzte noch der einzige und alleinige ist in einer Reihe, die im Unendlichen beginnt und ins Unendliche sich fortsetzt.

GABRIEL: Das Herz hat mehr Kammern als ein Bordell.

HENRY: Sie ist das Urbild der Frömmigkeit. Aber ich kam nicht umhin zu bemerken, daß sie auch die Besitzerin eines wundervollen Arsches ist. Ich war sowohl an diesem Arsch als auch an der Frömmigkeit, in den er gehüllt war, interessiert.

GIACCOMO: Der Platzregen und der Gegenwind waren so stark, daß sie nichts tun konnte, als mir verbittert vorzuhalten, ich bringe sie um ihre Ehre, denn der Kutscher müsse sie doch sehen.

JEAN: Was auf sie zukommen würde, mochte schwierig und ungewiß sein, doch es war bei weitem aufregender.

GIACCOMO: Dann trocknete ich sie ab, und als ich sie bat, mir denselben Gefallen zu tun, sah ich, daß sie lächelte.

GABRIEL: Wenngleich sie so taten, als wüßten sie nicht, was sie beide wußten, und wovon jeder von beiden wußte, daß der andere es wußte, waren sie von jener Nacht an durch eine unverbrüderliche Mitwisserschaft aneinandergekettet.

ROBERT: Es gibt eben heute eine neue, veränderte Einstellung der Frau zum sexuellen Problem: sie verlangt vom Mann nicht nur ein Tun sondern ein Tun aus richtiger Erkenntnis des weiblichen verlangt sie!

PAUL: Es gab Leute, die fanden, sie könne es zu gut.

JAMES: Frauen macht das Spaß. Ärgert sie, wenn man nicht.

JUNISHIRO: Ich drückte meine Lippen auf die gleiche Stelle ihres Unterschenkels und genoß mit der Zunge hingegen die ganz Köstlichkeit ihrer Haut. Es war wie ein Kuß auf den Mund. Langsam glitt ich mit der Zunge hinunter bis zu Ferse. Zu meiner Überraschung gab sie kein Wort von sich. Sie ließ mich widerspruchslos gewähren. Meine Zunge erreichte den Rist ihres Fußes und dann die Zehenspitzen. Ich kniete mich hin und nahm einen ihrer Füße in die Hand. Die große Zehe und die zweite und dritte steckte ich in meinen Mund. Die Sohle ihres nassen Fußes sah zauberhaft aus - lebendig wie ein Gesicht.

PAUL: Oh ja, lächeln., das konnte sie!

JEAN: Du bist schön genug, um alles zu bekommen, was du willst.

WALTER: Eine Frau ist doch kein Bett.

KENNETH: Ich weiß, was Freud dazu sagen würde.

WALTER: Eine Frau ist immer auch ein Bett.

KENNETH: Sie verwenden eine Menge interessanter Symbole.

HENRY: Schön, schön. Ich habe es euch ja gesagt.

JEAN: Das konnte nur heißen, daß er sofort gemerkt hatte: sie war kein braves Mädchen - das protestieren würde -, sondern ein schlimmes Mädchen - das zuhören würde. Er mußte es gewußt haben. Er wußte es. Es war so.

JAMES: Wollen partout die große Angst erleben. Scharf wie Nadeln sind sie. Wie ich zu Molly gesagt habe, der Mann an der Ecke Cuff Street sähe aber gut aus, weil ich dachte, sie mag vielleicht, da hat sie gleich gemerkt, daß der nen künstlichen Arm. Hatte er auch. Wo kriegen die das her?

WALTER: Ein solches Weib darf man gar nicht anders bekommen. Hier wäre Liebe Lästerung.

HENRY: Nein, nein mein Lieber.

Teil IV

JEAN: Mit Bedauern zog ich schließlich mein schönes rosa Unterhemd aus, aber ich tröstete mich mit dem Gedanken: An einem anderen Abend vielleicht, mit einem anderen Typ von Mann. Ich schlief auf der Stelle ein.

YASUSHI: Ich fühlte mich unsagbar einsam. Ich vergaß ganz und gar, daß Du neben mir lagst, und ich war völlig in meine Einsamkeit verloren.

KENNETH: Es begann zu regnen.

ANAIS: Sein Mund regnete Küsse auf Ihren Körper.

PAUL: Oh, wie gerne gäbe ich Elsaß-Lothringen noch einmal, um diese Freuden wieder zu erleben! Ich hatte immer ein paar Sous bei mir, mit denen ich Springseile für diese jungen Damen kaufte. Früh lernte ich so, was Frauen kosten; und das nahm nie ein Ende.

ARNO: Sie drängte mich in die Toreinfahrt und atmete mit den Zähnen.

ANAIS: Viviane hatte viel Zeit, sich ganz darauf zu konzentrieren, wie schön es war, randvoll angefüllt zu sein, zu fühlen, wie ausgezeichnet dieser weibliche Ofen fürs Festhalten, ja fürs Behalten geschaffen war.

ROBERT: ... und noch nie war es ihm so klar geworden wie in dieser Sekunde, wo er ihr folgte, wie sehr das leidenschaftliche Eindringen in einen fremden Körper eine Fortsetzung der kindischen Neigung für heimliche verbrecherische Verstecke ist.

GIACCOMO: Was die Frauen betrifft, so habe ich immer gefunden, daß die jeweils Geliebte angenehm duftete, und je kräftiger sie schwitzte, desto köstlicher schien es mir zu sein.

YASUNARI: Und ist sie schön?

HALLDOR: Man sagt, daß der Mann, der zum ersten Mal darauf verfiel, die Frau mit einer Blume zu vergleichen, ein Genie gewesen sein muß. Aber derjenige, der es als nächster nachplapperte, war bestimmt ein Esel. Als was wollen wir einen Mann bezeichnen, der so etwas als dritter über seine Lippen brachte?

HENRY: So redet er, wenn er betrunken ist.

PAUL: Ist nicht das Erregendste an ihrer Schönheit diese Liebesmattigkeit, die ihre Augen rändert und verglast und ihnen das Gesicht etwas verhärtet? Wenn ich ihnen begegne, am Tag, nach einer anstrengenden Nacht, und sie ein wenig auf dem Hund sind, wie man sagt, und gleichsam besudelt, dann genieße ich mit Rührung ihren ganzen augenfälligen und traurigen Verfall. Sollen andere die Jugend lieben! Ich selbst zweifle, ob diese Frauen, wenn sie so frisch wie Bürgermädchen wären, für mich denselben Zauber hätten.

YUNISHIRO: Nachdem ich mich eine Welle im Spiegel betrachtet hatte, blickte ich Satsuko an. Es war gar nicht zu fassen, daß beide Gesichter zwei Wesen derselben Gattung angehörten. Je intensiver ich meine eigene Häßlichkeit empfand, desto strahlender erschien mir die Schönheit Satsukos. Ich bedauerte fast, daß mein Gesicht im Spiegel nicht noch gräßlicher war, denn dann wäre mir ihres wohl noch schöner erschienen.

YUKIO: In seinen Träumen waren Ruhe, Tod und Weib eine Einheit gewesen. Als er jedoch das Weib erhalten hatte, waren die beiden anderen entwischen, weit fort von ihm, auf die See hinaus, und hatten aufgehört, mit klagender Stimme eines Wales seinen Namen zu rufen. Die Dinge, die er verworfen hatte, verwarfen jetzt ihn.

FERNANDO: Immer hat mich in den gelegentlichen Stunden der Distanzierung, in denen wir uns unserer selbst in unserem Verhältnis zu den Mitmenschen bewußt werden, die Frage beschäftigt, welche Figur ich körperlich und auch moralisch mache bei denjenigen, die mich tagaus tagein betrachten oder per Zufall mit mir reden.
Wir alle sind daran gewöhnt, uns selber vorzugsweise als geistige Wirklichkeit zu betrachten und die anderen als unmittelbare körperliche Wirklichkeiten; nur vage betrachten wir auch die Mitmenschen als geistige Wirklichkeit, doch nur in der Liebe oder im Konflikt wird uns wahrhaft deutlich.. daß die anderen vor allem Seele besitzen, so wie wir für uns.

GIACCOMO: Wie seltsam ist doch die Liebe! Was nutzt es, alles gesehen zu haben, was angeblich die Weisen über ihre Natur geschrieben haben, und was nützt es, mit zunehmendem Alter darüber zu philosophieren. Ich werde sie nie als Tändelei oder Nichtigkeit abtun können. Sie ist eine Art Wahnsinn über welche die Philosophie keine Macht besitzt, eine Krankheit, die den Menschen in jeder Lebenszeit befallen kann und unheilbar ist, wenn sie einem im Alter überfällt. Unerklärliche Liebe! Gott der Natur! Nichts ist süßer als ihre Bitternis, nichts bitterer als ihre Süße. Göttliches Ungeheuer ...

KENNETH: Oh, schau sie an! Die blanken Klingen ihrer Hinterteile schneiden eine lustige Figur in unsere Straße. Zwillinge des grimmen Spaßes und der komischen Tragödie.

ROBERT: ..., und durch das Dunkel sauste der schwebende
Sturm der Liebe ...

PAUL: ... eingehüllt in die Rauchwolken meiner Zigaretten. In diesen Augenblicken sind mir die Meisterwerke der französischen Literatur völlig egal. Träumereien erfüllen mich, in denen sich Geldsorgen mit Angenehmem mischen, Bilder von Ruhm mit Bescheidenheit, Züge von Talent mit übernommenen Phrasen, Zärtlichkeit mit Wurstigkeit, und Skepsis mit Rührung. Unterhalte ich mich? Ich wäre außerstande, es zu sagen. Aber mit fast tödlicher Sicherheit kann ich sagen, daß ich vollkommen glücklich bin. Frauen gehen vorbei und kommen wieder, nie dieselben dank ihrer Wandlungsfähigkeit, und werfen in die Träume helle Farben und angebotene Anmut.

Zitatnachweise

ANAIS NIN: Das Delta der Venus, Scherz Verlag, Bern & München, 1978, Seite 136; 195; 208

ARNOSCHMIDT:
a)Rosen und Porree, S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 1984
b)Windmühlen, Bertelsmann Gütersloh, Seite b 47; b 14; a 129; a 106

ERNEST HEMMINGWAY: Der alte Mann und das Meer, Bertels-
mann Lesering, 1959, Seite 73

FERNANDO PESSOA: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, Ammann Verlag, Zürich, 1986, Seite 132; 227; 71

GABRIEL GARCIA MARQUES:
a)Hundert Jahre Einsamkeit, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1979
b)Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1987, Seite a 466; a 464; b 259; b 397; a 170

GIACOMO CASANOVA: Geschichte meines Lebens, Propyläen Verlag, Berlin, Band 1, Seite 342; 197; 198; 71; 169

HALLDOR LAXNESS:
a)Seelsorge am Gletscher, Ullstein Verlag, Frankfurt/ Main, Berlin, Wien 1984 b) Weltlicht, Suhrkamp Verlag, Berlin, 1955, Seite b 312; a 312

HENRY MILLER: a)Plexus, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg 1970
b)Sexus, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg 1980
Seite a 274; a 345; b 274; b 418; b 405; a 405; b 105

ISABEL ALLENDE: Von Liebe und Schatten, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1986, Seite 125

JAMES JOYCE: Ulysses, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 1981, Seite 530; 821; 817; 930; 117; 519

JEAN RHHYS:
a)Adieu Marcus, Adieu Rose; Rogner & Bernhard, München,1985
b)Sargassomeer, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/ Main, 1982, Seite b 131, b 117; a 272; a 394; a 335; b 98; a 333; a 403

JUNICH1RO TANIZAKI: Tagebuch eines alten Narren, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 1966, Seite 86; 132

KENNETH PATCHEN: Schläfer erwacht am Abgrund, März Verlag, Berlin und Schlechtenwegen, 1983, Seite 47; 146; 148; 147; 45

KENZABURO OE: Eine persönliche Erfahrung, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankffirt/Main, 1981, Seite 133

PABLO NERUDA: Ich bekenne ich habe gelebt, Luchterhand Verlag, Darmstadt und Neuwied, 1974, Seite 118; 118; 130

PAUL LEAUTAUD: Der kleine Freund., Verlags AG"Die Arche", Zürich, 1967, Seite 118; 92; 92; 47; 27; 115

ROBERT MUSIL: Der Mann ohne Eigenschaften, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 1978, Seite 576; 582; 105; 425; 503; 884; 622; 603

WALTER SERNER: Der isabelle Hengst, DTV, München 1983, Seite 32; 66; 71; 71; 67

YASUNARI KAWABATA: Ein Kirschbaum im Winter, DTV, München, 1983, Seite 44; 77; 45;

YASUSHI INOUE: Das Jagdgewehr, Suhrkamp Verlag, Hamburg, 1982, Seite 91, 92

YUKIO MISHIMA: Der Seemann, der die See verriet, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 1970, Seite 48; 14; 190