Peter Anders: Malerei Zum Verlag im Wasserweg                 Home

Die Sprache der Dinge


Verknüpfungen, welche Imagination und Realität verbinden, sind die Grundlage unseres Verstehens der Welt.
Reflexion räurnlicher wie zeitlicher Muster, freie Impulse der Vorstellungskraft, unsere Erfahrungen und Denkmodelle in die Zukunft projiziert, erzeugen Schnittpunkte irn alles strukturierenden Gewebe.
Dies geschieht nie losgelöst vom individuellen Ausgangspunkt und seinen Prämissen wie regionaler Herkunft, Generation und vorgegebener Sozialisation.
Das Fixieren und jegliche Operation zwischen Ab- und Gegenbild, zwischen Fassung- und Fassungslosigkeit verweisen immer auch auf das eigene Ich.

Die bleierne Unverrückbarkeit der Sprache, die Konditionierung des Erinnerns, unsere scheinbar so praktischen und überschaubaren Bezüge provozieren geradezu ein subversives Eingreifen.
Die Lust am Schreddern, dem Zersplittern abgemachter Kanons bewirkt eine Freistellung einzelner Bestandteile.
Durch eine rigorose Kombinatorik des so entstandenen dynamischen und offeneren Vokabulars ist ein
unerschöpflicher Austausch der Bedeutungsebenen möglich.

Das Ausloten der Bezugspunkte und Knoten bedeutet für mich einen erquicklichen Akt des geistigen und sinnlichen Spiels. Kreise die sich niemals schließen, Ideen, die sich dem Denken verweigern. Bildfindung als abenteuerliches Manöver zwischen Verstrickung und Ausgrenzung. Wohltuender Widerspruch.

Malerei ist meinem Anliegen nach ein adäquates Medium, Vorstellungen Gestalt zu geben, denn der Punkt, an dem innere Bilder Gestalt annehmen, verwirklicht sich mit Hilfe allgemeiner Formen unserer Sinnlichkeit.
»Nature morte«, stilles Leben, ist ein Paradoxon. Oder sollte einem Nudelsieb etwa doch ein Seelenleben zugeschrieben werden?
lntentionen des Stillebens mitführend, gehört der Schwerpunkt meiner Arbeit in den letzten Jahren den Dingen des täglichen Bedarfs, den Vertretern des lautlosen Daseins. Ihre immateriellen Qualitäten verweigern sich nicht der Umsetzung in Malerei. Das ermöglicht, das Vergängliche vom an sich nicht wahrnehmbaren Bleibenden zu trennen.

Dinge vergegenwärtigen Phänomene, die eine Zeit aufgrund ihrer spezifischen Strukturen und Sensibilitätsmuster hervorbringt. Die so entstehende Identität ist geleitet von verbindenden Ideen, diese prägen jede visuelle Form: Ob das nun die einer Puppe, eines Rettungsrings oder einer Scheibe Formfleisch ist.
Diese Fraktale der Zeitgeschichte können Mentalität und die Umrisse weitreichender Veränderungen dokumentieren. Einzelne Dinge sind äußerst komplexe Ganzheiten, jedes Merkmal eines Gegenstandes ist sowohl eine Bündelung von untergeordneten Merkmalen als auch der Teil einer anderen Bündelung. So lassen sich immer neue Zeichen und Symbole etablieren, mit denen sich wiederum neue Formeln und Zusammenhänge bestimmen lassen, die ihren scharfen Bezug zur Realität nicht verlieren.

Peter Anders, Juli 1997




Joker, Wachs/Öl auf Holzrahmen, 116x32cm


Was wir finden, Wachs/Öl auf Holzrahmen


Faria-Faria Ho, Wachs/Öl auf Spanplatte


O.T., Wachs auf Spanplatte, 31x27,5cm


Pol Pot, Wachs/Öl auf Spanplatte, 38x40


Bambi, Diptychon, Wachs auf Spanplatte, 70x32cm

APM 1-30, Wachs auf Holzrahmen, 210x193cm